Einführung in die Traumdeutung

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Das wirkliche Problem der Traumdeutung besteht nicht darin, dass das Wort Deutung einen so unscharfen, schillernden Sinn hat. Seine Ersetzung durch ein anderes Wort, z.B. durch Interpretation, Auslegung, Auswertung, Analyse etc. ginge am Wesentlichen vorbei. Denn auch die neue Bezeichnung würde zwangsläufig vom Stoffe her, mit dem sie sich zu befassen hat: dem schillernden Traum, das gleiche Schicksal erleiden.

Statt dessen gilt es, sich darüber klar zu werden, was Sie eigentlich unter Deutung (oder einem anderen ähnlichen Wort) verstehen wollen und wie weit oder wie eng Sie den Rahmen dieses Begriffes fassen.

Das Wort Deuten hat nämlich einen vielschichtigen Sinn. Es kann sowohl die werkgetreue korrekte Interpretation von etwas Gegebenem wie auch das subjektive Auslegen bis zum Hineinmystifizieren meinen.

Traumdeutung heisst gewöhnlich die systematische Bemühung um das bewusste Verständnis des Traums.

Es gibt aber auch eine Traumdeutung im Sinne einer Bewusstmachung.

Eine Deutung wäre dies:

Gibt es naheliegende sinnvolle gedankliche Zusammenhänge zwischen Trauminhalt und konkreter seelischer Wachsituation?

Interpretieren Sie "Deuten" als das Erfassen der verborgenen Bedeutung eines Traums.

Fassen Sie "Verstehen" als Herstellen der Bezugsrahmen und "Erklären" als Erarbeiten des Detailwissens auf.

E. Bleuler hat schon 1913 darauf aufmerksam gemacht, dass Sie Träume allein durch die Kenntnis Ihrer aktuellen Befindlichkeit in ihrer Bedeutung erfassen können.

Die Deutung liegt dann gleichsam "auf der Hand".

Sie werden immer diejenige Deutung bevorzugen, die sich unmittelbar aus der Lebenssituation und ihrer Geschichte oder aus anderen Tatsachen ergibt.

Immer ist es eine offenbar gewordene Einordnung in einen bereits gesicherten Zusammenhang, der eine Deutung wahrscheinlich macht und ihr Gewicht verleiht.

Die Deutung soll Ihnen etwas Ihnen Gehöriges, aber Unzugängliches (wieder) zugänglich machen.

In konkreter Formulierung bedeutet dies, Ihnen zur Wiedereingliederung eines Persönlichkeitsanteils zu verhelfen, der von Ihnen selbst als zu fremdartig nicht angenommen wurde und nur in das Draussen Ihres Traums projiziert zur Kenntnis genommen werden kann.

Es gilt, die in Ihnen aufgerichtete und Sie am Verständnis Ihrer selbst hindernde Trennwand zwischen Wach-Ich und Traum-Ich so durchlässig zu machen, dass Sie sich wieder selber verstehen, weil Sie sich selber wieder ungeteilt als Ganzes angenommen haben.

In der Traumforschung gibt es jedoch keine allgemeingültige Methode, mit der es gelingt, den Inhalt des Traums einzufangen und den Verlauf des Traumgeschehens unmittelbar zu beobachten.

Mit allen Methoden der Traumerhebung können Sie sich dem Traumerleben nur indirekt und nachträglich annähern.

Es gibt keine äusseren Regeln oder Normen, durch die sich die "Gültigkeit" oder "Richtigkeit" einer Deutungsweise ermitteln lässt.

Es wird nie möglich sein, die Interpretation eines Traums in irgendeinem Lehrbuch oder einem Katalog "nachzuschlagen".

Seine Bedeutung können Sie nie nach einer Interpretationstheorie, sondern nur aus ihm selbst ermitteln.

Die folgenden Regeln sind jedoch ein Rüstzeug, die Botschaft Ihrer  Träume besser verstehen zu lernen.

  1. Fassen Sie den Traum zuerst einmal wörtlich auf und untersuchen Sie ihn auf Anzeichen von objektiver Wahrheit hin, etwa Warnungen oder Ermahnungen, ehe Sie zu einer symbolischen Deutung übergehen.

  2. Ergibt der wörtlich aufgefasste Traum keinen Sinn, dann (und erst dann) sehen Sie ihn als eine symbolische Darstellung Ihrer Gefühle zur Zeit des Traums an.

  3. Alle Träume werden durch etwas in Ihrer Seele oder Ihrem Herzen ausgelöst.

Bringen Sie vielleicht Ihr Traumthema mit einem Ereignis oder einer wichtigen Tätigkeit der letzten Tage in Verbindung.

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